Einzelbäume

ND Kastanie im Oelsengrund

ART: Balkan-Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) Mehr Informationen

Das Gebiet der oberen Gottleuba muss einst ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Naturfreunde gewesen sein, 1938 preist es ein Wanderführer an: "...Oelsengrund ... gehört in seiner grünen Schönheit und Stille zu den Tälern unserer Landschaft, die zu durchwandern ein Genuß ist."[1] Besondere Bäume werden leider nicht erwähnt, obwohl die Kastanie (wie auch die nahegelegene Linde ssz010) schon 1938 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt wurde.[2]

Dabei sah der Oelsengrund noch bis Anfang der 1970er Jahre ganz anders aus als heute: hier erstreckte sich eine Streusiedlung gleichen Namens mit strukturreicher, überwiegend landwirtschaftlich genutzter Umgebung. Die Gegend muss auch reich an Hof- und anderen Einzelbäumen gewesen sein. Dies ist sowohl auf historischen Luftbildern[3] als auch auf alten Fotos zu erkennen. Etwas außerhalb (nördlich) des Siedlungskernes lag der Bauernhof Kühnel - nach historischen Fotos (leider undatiert) ebenfalls von Bäumen umgeben.[4]

Einer dieser Bäume muss die Rosskastanie sein, die heute noch immer als Naturdenkmal ausgewiesen (und seit 2024 wieder gekennzeichnet) ist. Nachdem die Siedlung Anfang der 1970er Jahre wegen ihrer Lage im Trinkwassereinzugsgebiet der neuen Talsperre Gottleuba geschleift und die Flur größtenteils aufgeforstet wurde, hat sich die Landschaft grundlegend verändert. Die alte Rosskastanie wächst heute auf einer abgelegenen, ungenutzten und brennnesseldominierten Waldlichtung. In der Nähe fließt periodisch ein kleiner Nebenbach zur Gottleuba. Die Umweltbedingungen sind feucht und (zu) schattig, was einerseits den eindrucksvollen Epiphytenbewuchs auf der alten Kastanie fördert, andererseits aber auch die Pilzausbreitung begünstigt. Das Laub wird im Sommer stark von Miniermotten befallen.

Der südliche Hauptstamm des ehemaligen Zwiesels ist vor einigen Jahren herausgebrochen und liegt jetzt als mächtiger Totholzast auf dem Boden. Die Krone ist seither stark einseitig ausgebildet, was durch die zunehmende Beschattung des angrenzenden Fichtenforstes immer mehr die Stabilität des historischen Naturdenkmales bedrohen kann.

[1] Landgraf, Rudolf (1938): Berggießhübler Wanderführer. Ein Heimatbuch;
[2] VO des Kreishauptmanns Dresden-Bautzen vom 14.11.1938 (Angabe aus: StUFA, 2004, Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge)
[3] https://geoportal.gov.cz/web/guest/map, "Ortofotomapa (50. leta)"
[4] https://sites.google.com/view/oelsengrund/bilder-früher

Informationen

Ort

Bad Gottleuba–Berggießhübel, Stadt
Oelsen

Schutz

ND

Patenbaum

ja

Standort

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