Einzelbäume
ND Kastanie am Steinkreuz nahe Oelsener Höhe
ART: Balkan-Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) Mehr Informationen
Entlang der Oelsener Höhe führte einst eine bedeutende historische Passstraße, die die östliche Erzgebirgsflanke über den Kulmer bzw. Nollendorfer Pass nach Böhmen querte.[1]
Hier befindet sich auch ein altes Steinkreuz - ein spätmittelalterliches Kulturdenkmal[2]. Eine Fotodarstellung des Heimatforschers Gustav Kuhfahl in den Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz von 1913 zeigt im Hintergrund, des kurz zuvor wieder aufgerichteten Sühnekreuzes, einen vielleicht 10- bis 15-jährigen Jungbaum neben der Wegsäule.[3] Somit kann davon ausgegangen werden, dass der Baum etwa 120 bis 130 Jahre alt ist.
Die Rosskastanie steht einige Meter abseits des asphaltierten Feldweges zur Oelsener Höhe auf Grünland. Durch die historische Wegsäule unmittelbar daneben und eine Rastbank ist der Wurzelraum zumindest von zwei Seiten relativ vor Verdichtung durch Befahren mit schweren Landwirtschaftsmaschinen geschützt. Dies gilt leider nicht für die Südseite: oft zeigen sich massive Fahrspuren zwischen dem Baum und dem ca. 20 m südlich vorgelagerten Sühnekreuz - diese Abkürzung wird offenbar bevorzugt als Zufahrt zum dort beginnenden Acker genutzt.[4] (2025 stand im Herbst an dieser Stelle eine Jagdkanzel.)
Der 2008 zum Naturdenkmal[5] erklärte Baum ist als Landmarke weithin sichtbar, hat aber in den vergangenen Jahrzehnten seinen Habitus deutlich verändert. Auf einer Aufnahme von 2012 erscheint der Baum noch mit einer sehr hohen, zylinderförmigen Krone.[2]
Diesen "zylindrischen" Umriss zeigt auch noch ein Foto von 2014, allerdings bereits von geringerer Höhe.[6] Auffällig ist auf dem Bild die dichte Belaubung und die üppige Blütenpracht. Um 2020 wurde der weg-seitige Hauptast eingekürzt, die Krone hat dadurch an Symmetrie eingebüßt. Nach wie vor bemerkenswert sind die auf der Ostseite bis fast Bodennähe herab reichenden Äste.
Seit einigen Jahren hat die Kastanien-Miniermotte auch den Raum Oelsen erreicht - und färbt das Naturdenkmal auf der Oelsener Höhe bereits im Spätsommer braun.
Leider weist die Kastanie inzwischen auch am Stamm deutliche Schäden auf. An der Nordostseite zieht sich eine große Stammfußverletzung mit Rindenablösung bis in ca. 2 m Höhe. Auch an Stellen mit noch vorhandener Borke lässt sich diese leicht ablösen, darunter zeigt sich ein schmierig-schwarzer Belag. Am Wurzelanlauf belegen mittlerweile Austernseitlinge den akuten Pilzbefall.
[1] Jobst & Grundig (1961): Um Gottleuba, Berggießhübel und Liebstadt. Werte d. deutschen Heimat, Bd.4; S.106
[2] https://denkmalliste.denkmalpflege.sachsen.de/CardoMap/Denkmalliste_Report.aspx?HIDA_Nr=09224909
[3] https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/33096513
[4] google earth pro - historische Luftbilder, sehr deutlich u.a. auf der Aufnahme 9/2017
[5] Verordnung des Landkreises Sächsische Schweiz zur Festsetzung von Bäumen als Naturdenkmale, 29. April 2008
[6] https://mapy.com/de/turisticka?source=osm&id=128905673&gallery=1&sourcep=foto&idp=4613871&x=13.9300861&y=50.7999331&z=19
Informationen
Ort
Bad Gottleuba–Berggießhübel, Stadt
Oelsen
Schutz
ND
Patenbaum
ja