Einzelbäume
Zwei Traubeneichen und drei Eschen am Friedrichsteich Reichstädt
ART: Stiel-Eiche (Quercus robur) Mehr Informationen
Im 18. Jahrhundert sah die Landschaft nordwestlich von Reichstädt wahrscheinlich noch ganz anders aus[1]: Wo heute Wald ist, gab es große Teiche ("Der grose Teich" + "Der Molcken Teich"); wo sich jetzt meliorierter Acker erstreckt, zog sich einst der gehölzbestandene Oberlauf des Lämmergrundbaches bis in sein Quellgebiet (wo noch heute die verlandeten Reste des einstigen Schwemmteiches liegen). Auch der "Friedrichsteich" ist auf dem Meilenblatt von 1785 schon verzeichnet. Diese Teiche - zwischen "Lämmerberg" und "Schafberg" spielten eine wichtige Rolle für die Haltung von tausend Schafen, deren Wolle für das Rittergut Reichstädt eine wichtige wirtschaftliche Einnahmequelle waren. "In Schwemmteichen wurden die Schafe vor der Schur ... wiederholt gewaschen, um die Wolle von Schmutz und überflüssigem Fett zu befreien."[2]
Die Darstellung auf dem Meilenblatt lässt darauf schließen, dass neben den Teichen auch Gehölzgruppen und Bäume die Landschaft prägten. Die "Straße" von Reichstädt nach Ruppendorf führte damals noch über den Damm des Friedrichsteiches. Gut möglich, dass schon damals hier zwei Eichen standen. Die größere der beiden bringt es heute auf beachtliche 5,20 m Umfang. Gegenüber der Veröffentlichung in der Baumdenkmal-Broschüre des Staatlichen Umweltfachamts[3] 2004 hat der Baum noch ca. 40 cm an Umfang zugenommen - d.h. rund 8 %. Wenngleich Bäume natürlich nicht "linear" wachsen, kann man daraus auf ein ungefähres Alter von etwa 250 Jahren schließen. (Das zweite Exmeplar bringt es heute "nur" auf 3,85 m Umfang, hatte aber auch nur 15 cm Zuwachs in den vergangenen 20 Jahren aufzuweisen). Durch die stickstoffintensive Landwirtschaft und womöglich auch Einträgen aus dem Gewerbegebiet samt Tierheim oberhalb des Friedrichsteiches ist davon auszugehen, dass die Nährstoffversorgung heutzutage auch für diese beiden Eichen zuwachs-förderlicher ist als in der Vergangenheit.
1995 wurden die beiden Bäume als Naturdenkmal "Zwei Traubeneichen am Friedrichsteich Reichstädt" unter Schutz gestellt[4]. Dabei geschah offenbar ein fachlicher Lapsus, denn es handelt sich zweifelsohne um Stiel-Eichen! Dieser Fehler zieht sich auch durch die Baumbeschreibung in der StUFA-Broschüre[3] und blieb selbst bei der Neuausweisung des Naturdenkmals 2014 (unter Einbeziehung von drei Eschen, ebenfalls am Ufer des Friedrichsteiches)[5] peinlicherweise unbemerkt.
Für die biologische Vielfalt des Biotopkomplexes Friedrichsteich einschließlich der Altbäume dürfte dies relativ belanglos sein. Hier gilt nach wie vor das 2004 Geschriebene: "Alte Eichen am Wasser und am Waldrand sind speziell für Fledermäuse wichtige Bestandteile ihrer Lebensräume."[3] Ein Besuch des reizvollen Gewässers an einem Sommerabend stellt dies eindrucksvoll unter Beweis.
[1] Meilenblätter von Sachsen, 1785, Blatt 280 (https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70301497)
[2] Kommission für Heimatforschung (1966): Östliches Erzgebirge. Werte der deutschen Heimat, Band 10, S.23
[3] StUFA (2004): Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal / Osterzgebirge, S.114
[4] Verordnung des Landratsamtes Weißeritzkreis, 23.8.1995
[5] Verordnung des Landratsamtes Sächsische Schweiz - Osterzgebirge zur Festsetzung von Gehölzen als Naturdenkmal, 9.12.2014
Informationen
Ort
Dippoldiswalde, Stadt
Reichstädt
Schutz
ND
Patenbaum
ja
Basisdaten vom 20.11.2021
Umfang
4.96 m
Durchmesser
1.58 m
Höhe
25 m
Alter
220 Jahre
Zugang
frei
Jahresbewertung
Bericht 03.03.2024 - Heiko Frey
Dringender Handlungsbedarf:
Bericht 05.04.2026 - Heiko Frey
Das Ensemble der Bäume ist eines der schönsten und malerischsten Orte in unserem Landkreis, die ich kenne.
Die Eichen machen trotz großer Blitznarben noch einen guten Eindruck.
Dringender Handlungsbedarf: