Einzelbäume
Lutherbuche auf dem Friedhof in Niederbobritzsch
ART: Rot-Buche (Fagus sylvatica) Mehr Informationen
Anhand ihrer beeindruckenden Dimensionen würde man die große, freistehende Buche auf dem Friedhof hinter der Kirche wahrscheinlich für deutlich älter schätzen als aktuell gerademal 142 Jahre. Doch erfolgte die Pflanzung an Luthers 400. Geburtstag - dem 10. November 1883 - durch den Pfarrer Hermann Mulert, wie der Niederbobritzscher Heimatverein auf einer kleinen Infotafel mitteilt [1].
Auf einem Foto von 1892 erkennt man den schon mehrere Meter hohen Jungbaum, der (gemäß der Bildbeschreibung in der Veröffentlichung) "mit einem kleinen eisernen Zaun geschützt ist, wie damals üblich" [2].
Mit 6,15 m Umfang zählt die Buche heute zu den besonders dicken Exemplaren ihrer Art, und sie legt noch immer in bemerkenswertem Maße zu. 2005 brachte sie es auf "nur" 5,25 m (womit sie aber dennoch bereits als das zweitstärkste Buchen-Naturdenkmal im damaligen Landkreis Freiberg galt) [3].
Mehr noch als durch den wuchtigen Stamm, der sich in drei bis fünf Metern Höhe in mächtige Hauptäste aufteilt, beeindruckt der freistehende Baum durch seine enorm große Krone. Schon auf historischen Abbildungen[4] und Postkarten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist zu erkennen, wie der Baum die Höhe des Kirchendachs deutlich überragt - da war er erst wenige Jahrzehnte alt!
Genauso üppig wie das Wachstum in die Höhe ist die Ausbreitung der Äste in alle Himmelsrichtungen. Was wunderschön aussieht, kann sich aber zu einem Stabilitätsproblem auswachsen, wenn die Hebelkräfte an den weitausladenden Ästen zu groß werden. Bereits in den frühen 2000ern "brach ein starker Ast ab, so dass der Baum mit Hilfe von Kronensicherungssystemen vor weiteren Astausbrüchen geschützt wurde [2]". Was dann aber doch nicht dauerhaft verhindert werden konnte: "Im Herbst 2023 brach bei einem Sturm ein großer Ast des Baumes herunter, kurz darauf wurde der freiliegende Stamm vor der Sonne geschützt" [5]. "Um durch die dadurch entstandene Lücke keine Verbrennungschäden zu riskieren, wurde der Stammbereich weiß gestrichen" [6].
Buchen haben nur eine sehr dünne Rinde und sind deshalb besonders empfindlich gegen "Sonnenbrand". Im Wald sorgt der Nachbarbestand für ausreichend Sonnenschutz, doch im Freistand muss der Baum mit einem dichten Kronendach selbst für die Beschattung des Stammes sorgen. Bricht ein Hauptast mitsamt seines Blattwerks aus, kann es schnell zu heiß werden im Kambium zwischen Baum und Borke. Immerhin scheint es die Lutherbuche auf dem Friedhof auch unter den seit Jahren viel zu trockenen und sonnenscheinreichen Witterungsbedingungen zu schaffen, ihre Krone mit ausreichend Wasser zu versorgen. Im Vergleich zu vielen anderen Buchen-Baumdenkmalen wirkt sie gut belaubt. Und noch wichtiger: bislang ist sie weitgehend frei von Pilzkörpern, die von Holzzersetzung künden würden. Somit besteht Grund zur Hoffnung, dass dieser prächtige Baum noch viele Luther-Jubiläen erleben kann!
Quellen:
[1] https://www.komoot.com/de-de/highlight/6000559
[2] Gemeinde Bobritzsch (2004): 125 Jahre Schul- und Heimatfest Niederbobritzsch, Broschüre, S.26
[3] Richter, Sandy (2008): Verwurzelt im Landkreis Freiberg, S.22
[5] https://www.baumkunde.de/baumregister/11280-luther_buche_in_niederbobritzsch
Informationen
Ort
Bobritzsch-Hilbersdorf
Niederbobritzsch
Schutz
ND
Patenbaum
nein
Basisdaten vom 09.03.2022
Umfang
5.79 m
Durchmesser
1.84 m
Höhe
30 m
Alter
150 Jahre
Zugang
frei