Einzelbäume
Traubeneiche sog. "Steineiche" am Heideberg nordwestlich von Reinhardtsgrimma
ART: Trauben-Eiche (Quercus petraea) Mehr Informationen
Einen Schönheitspreis würde das von schwierigen Standortbedingungen gezeichnete Eichenexemplar auf dem Höhenrücken zwischen Lockwitztal und Grimmscher Heide sicher nicht bekommen - eher einen Orden für besondere Duldsamkeit.
Die Gneisfläche wird von einem nährstoffarmen Quarzporphyrgang durchzogen[1]. Darauf sind an einer vermutlich besonders flachgründigen Stelle Lesesteine abgelagert. Früher hießen solche Geröllhaufen "Steinhorste". Dieser hier ist bereits Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Sächsischen Meilenblatt mit roter Farbe eingezeichnet[2]. Die Oberreit-Karte von 1821/22[3] verzeichnet hier einen Kalkofen (diese mussten wegen der Feuergefahr immer weit außerhalb der Ortschaften stehen), und auch auf dem Messtischblatt von 1910[4] ist an dieser Stelle ein Laubgehölz plus ein kleines Gebäude eingetragen. Auf dem Messtischblatt von 1942 liegt das Gehölz am Rande einer eingezäunten Grünlandfläche.[5]
Ob - und wenn ja: wann - hier ein Baum gepflanzt worden sein könnte, entzieht sich der Kenntnis. Trauben-Eichen gehören durchaus zur natürlichen Vegetation des oberen Hügellandes. Der lateinische Name Quercus petrea bedeutet wörtlich übersetzt Felsen- oder eben Stein-Eiche. Diese deutsche Bezeichnung ist allerdings für die mediterrane, immergrüne Art Quercus ilex reserviert.
"Steineichen" wurden lokal aber auch solche Exemplare genannt, die im Winter besonders lange ihr Laub behalten. Derartige "Steineichen" (und auch "Steinbuchen") boten Stoff für allerlei Sagen.[6]
Meistens handelt es sich bei solchen laubbehaltenden Bäumen um Trauben-Eichen, die im Englischen auch "Winter Oak" heißen.
Bei dem schon Mitte des 20. Jahrhunderts zum Naturdenkmal erklärten Baum hier auf dem Heideberg allerdings gibt es nicht mehr allzuviel Laub in der schütteren Krone. Jahrelange Trockenheit hat ihm schwer zugesetzt. Mehr als die Hälfte seiner Äste sind abgestorben. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es keinen nennenswerten Zuwachs des - für alte Eichen ohnehin nicht besonders üppigen - Umfangs mehr. Die Höhe stagniert ebenfalls bei bescheidenen 8 Metern. "Standortbedingt bonsaiartig gewachsen"[7] sei er, so steht es in einer Broschüre von 2004. Inzwischen sieht es nach Überlebenskampf aus. Reinhardtsgrimmaer Heimatfreunde haben daneben schon eine "Ersatzeiche" gepflanzt - die aber auch zu kämpfen hat mit den ungünstigen Bedingungen.
Jedoch: wer ein Jahrhundert (oder vielleicht gar zwei) mit solchen Standortverhältnissen klargekommen ist, hat beste Chancen, auch die aktuellen Herausforderungen zu überstehen. Wichtig ist, dass den Wurzeln der "Steineiche" Pestizide und andere Agrochemikalien erspart bleiben.
[1] Geologische Karte von Sachsen, Nr.101 Blatt Dippoldiswalde-Glashütte, 1887
[2] https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70301497
[3] https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70505442
[4] Topografische Karte 1:25.000 der sächsischen Landesaufnahme, Blatt Dippoldiswalde, 1910/1912
[5] Topografische Karte 1:25.000 der sächsischen Landesaufnahme, Blatt Dippoldiswalde, 1942
[6] Grimmsches Heimatblatt, Dezember 2020
[7] StUFA (2004): Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge, S.102
Informationen
Ort
Glashütte, Stadt
Reinhardtsgrimma
Schutz
ND
Patenbaum
nein
Basisdaten vom 15.02.2022
Umfang
2.20 m
Durchmesser
0.70 m
Höhe
8 m
Alter
220 Jahre
Zugang
frei
Jahresbewertung
Bericht 18.10.2024
an der Basis unterhöhlt, größere Totastbereiche / abgestorbene Kronenteile
Dringender Handlungsbedarf:
Bericht 08.11.2025
2 vitale Kronenäste mit Verzweigung, 2 abgestorbene Kronenäste; Risiko des Auseinanderbrechens von Teilstämmen; Vermoosung, mehrere Tierlochgrabungen
Dringender Handlungsbedarf: