Einzelbäume
Wildapfel bei Johnsbach (am Hahneberg)
ART: Hybrid-Apfel (Malus x dasyphyllum) Mehr Informationen
"Hahneberg" heißt der schmale Bergrücken zwischen Müglitz und Prießnitz, wo sich die beiden Flüsschen bis auf 350 m Luftlinie annähern und sich mehrere Wanderwege kreuzen.[1] Die steilen Flanken sind größtenteils bewaldet, einst vermutlich eher lückig ("Hain") und mit kleinen Lichtungen ("Hagen")[2], also ausreichend Platz für lichtbedürftige Wildäpfel. Vereinzelt findet man noch heute Holzäppelexemplare in den Wäldern um Glashütte, unter den Kronen der Eichen, Birken oder Eschen jedoch eher kümmerlichen Wuchses und selten blühend bzw. Früchte tragend.
Südwestlich des Hahnebergs, auf dem nordwest-exponierten Hang, blieb allerdings seit jeher Offenland erhalten, und mittendrin ein großer Steinhorst (Lesesteinhaufen). Darauf wächst ein besonders markanter Holzäppelbaum. Mit 14 Metern Höhe und 2,65 m Stammumfang (in einem Meter Höhe gemessen) gehört er zu den Großen seiner Art. Vor allem beeindruckt er durch seine üppige Blütenpracht im Mai. Dank der Hanglage scheint er weniger spätfrostanfällig zu sein (kalte Luft ist schwerer und sammelt sich in den Talsenken).
1995 wurde der Baum offiziell zum Naturdenkmal "Wildapfel bei Johnsbach" erklärt. In einer einige Jahre später veröffentlichten Broschüre des damaligen Staatlichen Umweltfachamts erschien folgende, noch heute zutreffende Beschreibung: "Am Rand eines Lesesteinhaufens in der Steinrückenlandschaft zwischen Johnsbach und Glashütte stehend, prägt der Wildapfel mit seiner Gestalt die umgebende und reich strukturierte Erzgebirgslandschaft. Der schöne und in exponierter Lage wachsende Wildapfelbaum ist vom Wanderweg aus erlebbar. Die dicht beastete Krone bildet über vier Hauptstämme ein glockenartiges Dach."[3]
2024 schließlich erhielt das Naturdenkmal eine entsprechende Beschilderung.
Im Rahmen des Wildapfelprojekts 2007 bis 2011 erfasste die Grüne Liga Osterzgebirge auch dieses prächtige Exemplar.[4] Die Bonitur der Artmerkmale offenbarte aber, dass selbst dieser so "echt" nach Malus sylvestris (Wild-Apfel) aussehende Baum Einflüsse von Hybridisierung zeigt - so wie viele andere "Holzäppel" auch. Die leichte Behaarung der Blattstiele lässt vermuten, dass irgendwann bei einem Vorfahren schon mal blütenbestäubende Insekten genetische Einflüsse von Malus domestica (Kulturapfel) ins Genom eingetragen haben könnten.
[1] Glashütte Sachsen, 1506 bis 2006. 500 Jahre Stadtgeschichte. S.423
[2] Müller (1964): Zwischen Müglitz und Weißeritz. Werte der deutschen Heimat Band 8; S.121
[3] StUFA (2004): Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge. S.115
[4] https://www.wildapfel.info/alt/baumliste.html
Informationen
Ort
Glashütte, Stadt
Johnsbach
Schutz
ND
Patenbaum
ja
Basisdaten vom 19.12.2021
Umfang
2.58 m
Durchmesser
0.82 m
Höhe
10 m
Alter
134 Jahre
Zugang
frei