Einzelbäume

ehem. ND Linde vor dem "Winfriedhaus" in Schmiedeberg

ART: Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) Mehr Informationen

2014 verloren zahlreiche Baum-Naturdenkmale ihren Schutzstatus, vor allem im Siedlungsbereich, wo die Naturschutzbehörde hohe Verkehrssicherungskosten verortete. Auch das bis dahin "dienstälteste" Naturdenkmal im ehemaligen Kreis Dippoldiswalde traf dieses Schicksal. Bereits 1939 wurde die Sommer-Linde in Unternaundorf bei Schmiedeberg unter Schutz gestellt.[1]

Auf einem historischen Foto des damaligen Gasthof "Jägerhaus"[2] um 1930 erscheint die Linde bereits als großer, wenn auch für ihre Art nicht unbedingt rekordverdächtiger Baum. Anhand der danebenstehenden Strommasten lässt sich der Stammdurchmesser auf ca. 50 cm schätzen (mithin rund 150 cm Stammumfang). Reichlich drei Jahrzehnte später findet das Naturdenkmal in den "Werten der deutschen Heimat" Erwähnung: "Erst nach der Anlage von Straße und Eisenbahn mit einer Haltestelle "Naundorf" im Weißeritztal siedelten sich neben der Mühle noch andere Gebäude an, darunter eine Schmiede und die Gaststätte Jägerhaus, neben der wir eine unter Naturschutz stehende, etwa 200 Jahre alte und 30 m hohe Linde finden."[3]

Wobei die Zahlenangaben mit Vorsicht zu betrachten sind. 30 Meter Höhe wären für eine Linde zwar durchaus möglich, aber 2004 betrug die Baumhöhe laut StUFA-Broschüre1 lediglich 16 m, 2024 jetzt 23 Meter. Mehr noch aber sind Zweifel bei der Altersangabe angebracht. Die Straße im Weißeritztal gibt es seit 1846, die Weißeritztalbahn schnauft erst seit 1882 bis Schmiedeberg. Wie in dem Zitat aus den "Werten der deutschen Heimat" hervorgeht, stammt aus dieser Zeit auch das "Jägerhaus" (bereits 1882 auf einer Karte mit dieser Bezeichung eingezeichnet[4]). Vermutlich wurde damals die Linde gepflanzt. Demnach kann man heute von einem Alter von maximal 150 Jahren ausgehen - was auch der Dimension und dem Habitus des Baumes entspräche.

1954 erwarb das Bistum Meißen die ehemalige Gaststätte "Jägerhaus" und machte daraus die Jugendbildungs- und -freizeitstätte "Winfriedhaus"[5]. Trotz heftiger Belastung der B170 mit Transit-Lkw-Verkehr, einschließlich Abgasen, Tausalzen und anderen Umweltschädigungen, genoss das Naturdenkmal vor der katholischen Herberge sowas wie "Kirchenasyl". Entsprechend nachvollziehbar dann der Unmut, als der ND-Status gestrichen wurde.

Umso höher zu würdigen ist deshalb die vorbildliche Schonung des Baumes bei den Baumaßnahmen von 2019 bis 2021, als das alte Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden musste.[6]Weiträumig wurde dabei der Wurzelbereich vor Erdarbeiten gesichert.

Allerdings mussten mehrere Seitenäste stark eingekürzt werden, woraus der heutige Habitus mit einer hohen schmalen Krone resultiert; wenn die Angaben von 2004 stimmen, dann hat sie die sieben Meter Höhenzuwachs in zwanzig Jahren vollbracht!

Die Linde bildet mit dem wiedererrichteten Winfriedhaus ein außerordentlich ästhetisches Ensemble. Eine Neuausweisung als Naturdenkmal wäre mehr als gerechtfertigt!

 
[1] StUFA (2004): Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge, S. 102
[2] https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/80073191
[3] Müller (1964): Zwischen Müglitz und Weißeritz. Werte der deutschen Heimat, Bd.8, S.96
[4] Karte des deutschen Reiches, Blatt 443 Dippoldiswalde, 1 : 100.000, hrsg. 1882
[5] https://www.winfriedhaus.de/das-haus-hinter-den-kulissen/geschichte
[6] https://aussicht.online/artikel/winfriedhaus-bleibt-erkennbar

Informationen

Ort

Dippoldiswalde, Stadt
Schmiedeberg

Schutz

BaumSatz

Patenbaum

nein

Standort

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