Einzelbäume

ND Prachtbuche bei der Panoramahöhe Berggießhübel

ART: Rot-Buche (Fagus sylvatica) Mehr Informationen

Zu den bekannteren Baumdenkmalen der Region zählt die Prachtbuche an der vielbefahrenen Straße Berggießhübel - Hellendorf. Zwar hat sie in den letzten Jahren einiges an "Pracht" einbüßen müssen, aber dennoch: "Ein Stamm wie ein Gebirge - stark verwachsen, beulig, mit Bergen und Tälern - einfach gewaltig."[1]

Der große Baum soll "bereits um 1900 als 'Prachtbuche' bekannt und auf historischen Ansichtskarten abgebildet" gewesen sein.[2]

In der Deutschen Fotothek sind zwei Foto aus der Sammlung Paul Wolff[3] abgespeichert, die den Baumstamm in durchaus beachtlicher Dimension (und mit einem Schild "Prachtbuche" gekennzeichnet) zeigen. Leider gibt es für den Aufnahmezeitraum der Bilder jeweils nur die Angabe "1900/1940".

Auf den Messtischblatt-Karten indes gibt es bei der Ausgabe 1898/1906 an der Stelle noch keine entsprechende Markierung, wohl aber 1938 ein Baum-ND-Symbol und die Beschriftung "Prachtbuche"[4]. Im gleichen Jahr wird der Baum in einem Wanderführer erwähnt.[5] Reichlich zwei Jahrzehnte später heißt es: "An der Staatsstraße Berggießhübel - Hellendorf steht eine 200 - 300jährige Rotbuche, die sogenannte Prachtbuche, mit einem über 1 m starken Stamm und einer gewaltig hochragenden Astkrone. Sie ist wegen ihres Wuchses und ihres markanten Standortes unter Schutz gestellt worden."[6] Wann genau diese Unterschutzstellung erfolgt ist, scheint nicht klar zu sein. Die Baumdenkmal-Broschüre des Umweltfachamtes[7] gibt erst einen Beschluss des Rates des Kreises von 1979 an. Beschrieben wird der Baum in der Broschüre folgendermaßen: "Das stattliche und knorrige Exemplar weist in 4 m Höhe vier auseinanderstrebende Hauptachsen auf, die sich wiederum in eine Vielzahl von Teilausläufern aufteilen. Insgesamt wirkt der Baum gebündelt, so als seien mehrere Buchen zusammengewachsen. Sein wulstiger Stamm umfasst knapp 6 m. Der 32 m hohe Baum beherrscht den sich anschließenden Laubmischwald. Das etwas erhöht stehende Naturdenkmal ist von einer Einfassung aus Natursteinen umgeben. ... Die vitale Prachtbuche weist aber noch keine zersetzenden Bewohner auf."[8]

Diese Einschätzung lässt sich heute leider überhaupt nicht mehr bestätigen. Seit 2012 liegen der Grünen Liga Osterzgebirge regelmäßige Baumdenkmalpatenberichte und Fotos vor, die die Entwicklung aufzeigen: Zum einen zwang der umgebende Wald die Prachtbuche zu starkem Höhenwachstum bis auf weit über 30 m, zum anderen gelang es dem Baum vor allem in den Trockenjahren immer weniger, entsprechende Wassermengen in seine Krone zu pumpen. Zunehmende Spießastigkeit zeichnete sich ab, Äste starben ab, immer stärkerer Pilzbefall (Zunderschwamm) trat auf, vor einigen Jahren brach ein großer Hauptast herunter.

Um einem weiteren Auseinanderbrechen der zu langen "Hebelarmen" ausgewachsenen Hauptstämme vorzubeugen, gab Sachsenforst 2023 schließlich eine umfassende Baumsanierung in Auftrag.[9]

Das Ergebnis wirkt wie eine massive Verstümmelung des historischen Baumdenkmals und sorgt für heftige Diskussionen unter Baumliebhabern.[10] Tatsache dürfte sein, dass durch die großen Schnittflächen der Befall mit holzzersetzenden Pilzen in den nächsten Jahren drastisch zunehmen wird. Andererseits wären die Wunden am Baum bei einem befürchteten unkontrollierten Herausbrechen von Hauptarmen noch viel größer geworden. Wie auch immer: es ist zu befürchten, dass der weitere Verfall der monumentalen Buche nun ziemlich schnell gehen kann (wie vergleichbar beim Naturdenkmal "Buchenüberhälter am Tellweg" bei Olbernhau zu konstatieren ist). Außerordentlich wichtig wäre, der jetzt bis unterhalb der umgebenden Bestandeshöhe zurückgesetzten Krone ausreichend Licht für Assimilation zu verschaffen: die Jungbäume der unmittelbaren Umgebung müssen entfernt oder zumindest stark aufgelichtet werden.

Dank seiner massigen Grundsäule mit rund zwei Metern Durchmesser und nur wenigen Metern Hauptstammhöhe bestehen gute Chancen, den Torso mit der nunmehr stark zurückgesetzten Krone noch Jahrzehnte stabil zu halten.


[1] https://www.baumkunde.de/baumregister/5808-prachtbuche_bei_berggiesshuebel/
[2] https://www.ostdeutsches-baumarchiv.de/photo/nr-244-buche-berggiesshuebel
[3] https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72090717; https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72091131
[4] Topografische Karte (Messtischblatt) 1:25.000, Bad Gottleuba, 1938
[5] Landgraf (1938): Berggießhübler Wanderführer
[6] Jobst / Grundig (1961): Um Gottleuba, Berggießhübel und Liebstadt. Werte der deutschen Heimat, Band 4, S.89
[7] StUFA (2004): Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal / Osterzgebirge, S.88
[8] ebd., S.92
[9] https://www.sbs.sachsen.de/download/mifobnst_2311_BaumsanierungPrachtbucheBerggiesshuebel.pdf
[10] https://www.baumkunde.de/forum/viewtopic.php?t=31576

Informationen

Ort

Bad Gottleuba–Berggießhübel, Stadt
Berggießhübel, Kurort

Schutz

ND

Patenbaum

ja

Jahresbewertung

Bericht 21.11.2024 - Dietrich Schildbach

massiver Insektenfraß an 2 Ästen; zunehmende Kronenkonkurrenz; größere Totastbereiche / abgestorbene Kronenteile; erfolgte Schnittmaßnahmen sind fachgerecht; stark eingekürzte Stammteile 10 Abspannungen an 8 Teilstämmen; frische Rindenverletzungen durch Schädlingsbefall; plötzliche Sonnenexposition des Stammes durch Schnittmaßnahmen; alte und neue Pilzkörper am alten Zentralstamm; Neuaustrieb nach Rückschnitt

Dringender Handlungsbedarf:

Standort

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Kein Naturdenkmal: Kein Naturdenkmal hat Pate:

Prachtbuche bei der Panoramahöhe Berggießhübel

21.11.2024

Prachtbuche bei der Panoramahöhe Berggießhübel

21.11.2024