Einzelbäume

Hofbäume Willy-Ernst-Weg 5, Zinnwald

ART: Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) Mehr Informationen

Bäume können laut Naturschutzrecht als Naturdenkmäler ausgewiesen werden, "aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart und Schönheit" [1] (und wenn das Landratsamt sich nicht durch die zu erwartenden Pflegekosten überfordert sieht). Sie können aber auch Bestandteil von Kulturdenkmälern sein: "... von Menschen geschaffene Sachen ... wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, städtebaulichen oder landschaftsgestaltenden Bedeutung...", einschließlich "... Nebenanlagen soweit sie mit der Hauptsache eine Einheit von Denkmalwert bilden [2]".

Ein wunderbares Beispiel dafür ist das "Wohnstallhaus mit Felsenkeller und zwei Hofbäumen" [3] am Willy-Ernst-Weg in Zinnwald. Das historische Häuschen aus dem 18. Jahrhundert duckt sich gleichsam unter dem direkt an der Hauswand wachsenden Berg-Ahorn, wenige Meter daneben eine ebenfalls große, wenn auch vielleicht noch nicht ganz so alte Esche. Hofbäumen wurde einst große Bedeutung als Blitzableiter zugeschrieben.

Auf der ältesten Abbildung von 1911, die sich online bei der Deutschen Fotothek finden lässt [4], überragen die Bäume bereits um mehrere Meter das Schindeldach. Wer sich durch die historischen Fotos scrollt, stellt fest, dass es sich bei der Verschmelzung von Haus und Hofbaum hier zwar um ein besonders eindrucksvolles Beispiel handelt, dass dies aber keineswegs einzigartig war. Die meisten Häuschen auf dem ansonsten weithin kahlen Erzgebirgskamm hatten ganz in der Nähe mindestens einen solchen "Blitzableiterbaum".

Dass das Ensemble am Willy-Ernst-Weg in seiner Originalität erhalten blieb, ist teilweise auch einem in Heimatschützerkreisen weithin bekannten einstigen Besitzer zurückzuführen: 1933 kaufte Dr. Georg Marschner das Anwesen, um es als Alterssitz zu nutzen [5]. Georg Marschner hatte sich für den Landesverein Sächsischer Heimatschutz als Verwalter des Landesvereins-Schulungsobjekts Bienhof bei Oelsen verdient gemacht, sich aber auch für die Erhaltung des Georgenfelder Hochmoors eingesetzt und mit vielen Fotografien die "grünen Hefte" (Mitteilungen des Landesvereins) bereichert. Wahrscheinlich gäbe es auch noch viel mehr historische Aufnahmen des Häuschens in Zinnwald, wenn nicht Marschners Fotoplatten beim Bombenangriff auf Dresden zerstört worden wären.

Bis heute ist das Gebäude weitgehend unverändert erhalten, und selbst der unmittelbar an der Hauswand wachsende Berg-Ahorn musste nicht irgendwelchen Mauerwerkssanierungen o.ä. weichen. Eine Spezialkonstruktion schützt die Dachrinne, die Krone wird immer wieder soweit zurückgeschnitten, dass keine Äste auf dem Dach aufliegen. Dabei mussten offenbar auch schon einige größere Äste abgesägt werden, aber ohne sichtbaren Schaden am Baum zu hinterlassen - der Ahorn wirkt auch nach wahrscheinlich mehr als 200 Jahren Lebenszeit durchaus vital.

Das gleiche gilt auch für die Esche an der südöstlichen Hausecke: die Krone ist so dicht, wie man es andernorts seit Beginn des Eschentriebsterbens kaum noch gewohnt ist. Wer in Zinnwald lebt, muss einfach zäh sein!

Quellen:
 
[1] Bundesnaturschutzgesetz §28
[2] Sächsisches Denkmalschutzgesetz §2
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmale_in_Zinnwald-Georgenfeld
[4] https://www.deutschefotothek.de/documents/obj/87702222
[5] Hammer, Manfred (2006): Bauernhäuser, Bauernhöfe, Dörfer. Band 4, S.64/65

Informationen

Ort

Altenberg, Stadt
Zinnwald–Georgenfeld

Schutz

DenkmalSch

Patenbaum

ja

Standort

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