Einzelbäume
Schwarz-Erle bei Klingenberg-Colmnitz
ART: Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) Mehr Informationen
Der malerisch gewachsene Baum auf der Verebnung südlich des Tharandter Waldes ist vermutlich erst einige Jahrzehnte alt. Zum einen erreichen Schwarz-Erlen ohnehin kaum mehr als 100 bis 120 Jahre Höchstalter, zum anderen hat dieses Exemplar der lichtbedürftigen Baumart hier - mangels Konkurrenten - schon frühzeitig eine recht große, gleichmäßig und tiefbeastete Krone ausbilden können.
In der Nähe befand sich ursprünglich der Quellbereich des Wiesengrundbaches, der unterhalb des Weideguts Colmnitz in den Colmnitzbach mündet. Dass auf dem Plateau Böden vorherrschen, die zur Vernässung neigen ("Pseudogley"), zeigt sich auch heute noch nach längeren Niederschlägen. Deshalb blieb hier Grünland erhalten. Wobei die Wiesenbachquellarme schon vor über hundert Jahren zunächst in begradigte Gräben umgewandelt[1], zu DDR-Zeiten dann teilweise drainiert und verrohrt wurden. Dort, wo die Drainage als Graben zutage tritt, hat sich die Erle angesiedelt und entfaltet - ein idealer Standort für diese Baumart, die wie keine andere mit nassen Böden klarkommt.
Schon auf den historischen Messtischblättern sind entlang des nördlich angrenzenden Grabenabschnitts mehrere Gehölze eingezeichnet, die mit einiger Gewissheit auch Erlen gewesen sein dürften. Das Gehöft, an dem nach ca. 100 Metern der Graben vorbeiführt, geht übrigens auf eine Ziegelei zurück[2], die wahrscheinlich den Lößlehm genutzt hat, der für die Vernässungstendenz der Verebnung verantwortlich ist.
Der Naturfotograf Gerold Pöhler aus Klingenberg-Colmnitz hat die markante Erle wiederholt in Szene gesetzt[3], und 2014 erhielt sie den Schutzstatus als Naturdenkmal. Diese "Ehre" kommt relativ kurzlebigen Baumarten recht selten zugute. Außer einer im gleichen Jahr unter Schutz gestellten Schwarz-Erle bei Liebenau handelt es sich um die einzige Vertreterin ihrer Art im ND-Portfolio des gesamten Ost-Erzgebirges.
Inzwischen hat der Baum allerdings seinen Solitärcharakter etwas eingebüßt - direkt dahinter ist eine weitere Erlengruppe hochgewachsen. Da sich dort mehrere Bäume gegenseitig Konkurrenz machen, haben sich diese innerhalb weniger Jahre höher hinausgeschoben als das Naturdenkmal davor. Von der Straße Colmnitz - Klingenberg fällt dieses nun gar nicht mehr so auf wie noch vor ein, zwei Jahrzehnten. Außerdem macht sich unterhalb des Traufs neuer Gehölzaufwuchs bereit, dem Baum alsbald direkte Konkurrenz zu bereiten. Dazu gehört unter anderem eine schon recht hochgewachsene Kirsche. Dies ist das naturgegebene Schicksal der lichtbedürftigen Baumarten: irgendwann müssen sie schattenverträglicheren Konkurrenten weichen (wenn diese nicht zuvor von Baumdenkmalpaten entfernt werden). Nur auf wirklich nassen Standorten bleibt die Schwarz-Erle unangefochten. Aber Niederschlagsdefizite und hohe Verdunstung infolge des Klimawandels verändern die Bedingungen auch hier im Quellbereich des Colmnitzer Wiesengrundbaches.
[1] Messtischblatt Freiberg 1909/11
[2] Messtischblatt Freiberg 1881
[3] Grüne Liga (2014): Naturschatz Ost-Erzgebirge, S.285
Informationen
Ort
Klingenberg
Colmnitz
Schutz
ND
Patenbaum
ja
Jahresbewertung
Bericht 09.07.2024
am Stammfuß alte Plastikdrainagerohre abgelagert; unmittelbar neben der Erle einige Meter freiliegender Entwässerungsgraben, der ansonsten komplett verrohrt ist; Grünland - im Osten bis an den Kronentrauf, im Westen bis an den Graben gemäht; ca. 10 m nördlich aufwachsende (jüngere, aber höhere) Erlen, jetzt aufgelichtet, offenbar mehrere Exemplare entnommen
Dringender Handlungsbedarf:
Bericht 13.05.2025 - Gerold Pöhler
Es wächst ein Kirschbaum In den Kronenbereich hinein/ Besitzer hat selbständige Beseitigung zugesagt
Dringender Handlungsbedarf: Gelb