Einzelbäume
ND Fichte am Nasenbach in der Harthe
ART: Gewöhnliche Fichte (Picea abies) Mehr Informationen
Im Bestand wenig auffällig und von daher lange Zeit unbemerkt: diese Fichte am Nasenbach in der Harthe gehört mit 3,70 m Stammumfang zu den mächtigsten Exemplaren ihrer Art im Ost-Erzgebirge (nach aktuellem Kenntnisstand nur übertroffen von einer Fichte in der Brettdelle bei Holzhau mit 3,73 m Umfang). Die Höhe von etwa 25 Metern nimmt sich zwar, im Vergleich mit anderen Fichten in vergleichbarer Lage eher bescheiden aus, aber der Stamm verringert seinen Durchmesser bis in große Höhe nur wenig, so dass der Baum wie eine Säule erscheint. 2014 kam der Baum am Rande der Harthe, nahe der neuen Autobahnbrücke, auf die Liste neuer Naturdenkmale.
Die Harthe ist ein altes Waldgebiet, das von den umfangreichen Rodungen an der Ostflanke des Erzgebirges ausgespart wurde. Es gehörte bis 1945 zum Lauensteiner Rittergut[1]. Allerdings erstreckten sich auf dem Messtischblatt von 1898 Wiesenbereiche im Bereich des heutigen Naturdenkmals noch bis unmittelbar an den Nasenbach heran[2]. Dies schließt nicht aus, dass hier bereits eine Fichte stand, aber vermutlich noch nicht von bemerkenswerten Dimensionen. Auf dem Messtischblatt von 1943[3] indes reicht der Wald bis unmittelbar an die Grenze des Landkreises Dippoldiswalde und damit auch bis zu der Stelle, wo heute die ND-Fichte wächst. Angrenzend allerdings nach wie vor ein Grünlandstreifen, oben am Weg ein Gebäude mit der Bezeichnung "Schp" (vermutlich: Schuppen).
Auf Luftbildern aus den 1950er Jahren[4] scheint der größte Teil des Harthe-Waldgebiets aus Abteilungen gleichmäßig aufgeforsteter Jung-Fichtenbestände zu bestehen, jedoch erstreckt sich entlang des Nasenbaches ein Streifen deutlich größerer Nadelbäume.
Direkt an der Grenze zwischen zwei Landkreisen und bis vor kurzem zwischen zwei Forstbetrieben/-bezirken gelegen, stand dieser Winkel des Ost-Erzgebirges lange Zeit nicht im Fokus des Naturschutz-Interesses. Dies änderte sich mit den Plänen für den Bau der Autobahn Anfang der 2000er Jahre. Auch die Errichtung der Nasenbachbrücke ging mit erheblichen Abholzungen einher. Die ungefähr 100 Meter westlich der A17-Brücke wachsende Fichte blieb erhalten - muss seither aber viel mehr Abgase ertragen als sie in ihrem bisherigen Leben gewohnt war.
Der abgestorbene Wipfel indes geht vermutlich auf einen Blitzschlag vor vielleicht zwei Jahrzehnten zurück. Davon zeugt auch ein langer Riss am Stamm, wo inzwischen Spechte eine Reihe von Höhlen gehackt haben. Dennoch macht der Baum einen weitgehend vitalen und standfesten Eindruck. Durch die Bachnähe ist er zumindest stets optimal mit Wasser versorgt. Der Nasenbach gehört zum Trinkwasserschutzgebiet Talsperre Gottleuba[5], das Wasser sollte also auch guter Qualität sein. Wenn nur die Autobahn nicht wäre ...
[1] Hammermüller (1964): Um Altenberg, Geising und Lauenstein. Werte der deutschen Heimat, Bd.7
[2] Landesaufnahme Sachsen 1:25.000, Blatt Fürstenwalde, aufgenommen 1898, berichtigt 1921
[3] Topografische Karte 1:25.000, Blatt 5249 Peterswald, Ausgabe 1943
[4] https://geoportal.gov.cz/web/guest/map "Ortofotomapa (50.léta)
[5] Verordnung des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zur Neufestsetzung des Trinkwasserschutzgebietes der Talsperre Gottleuba, vom 28. November 2025
Informationen
Ort
Bad Gottleuba–Berggießhübel, Stadt
Breitenau
Schutz
ND
Patenbaum
ja