Einzelbäume

ND Sommerlinde im Oelsengrund

ART: Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) Mehr Informationen

Wer heute durch das obere Gottleubatal wandert, ahnt kaum, dass sich hier bis vor wenigen Jahrzehnten eine Abfolge von Mühlen, landwirtschaftlichen Gehöften und anderen Gebäuden erstreckte: die Siedlung Oelsengrund (und das oberhalb anschließende Kleinliebenau, kurz vor der Grenze). Als die Talsperre Gottleuba gebaut wurde, mussten die teilweise seit vielen Generationen hier lebenden Bewohner Ende der 1960er Jahre ihre Heimat verlassen. Anfang der 1970er Jahre wurde die Siedlung abgerissen, die einstmals abwechslungsreiche Dorflandschaft aufgeforstet. Auf alten Fotos und Postkarten ist zu sehen, dass zahlreiche markante Einzelgehölze das Tal prägten, einschließlich stattlicher Hofbäume.[1]

Gemeinsam mit der benachbarten Rosskastanie (Erfassungsnummer jens130) befand sich die Linde an der Einfahrt zu einem der Gehöfte im kleinen Ortszentrum, wie historische Luftbilder aus den 50er Jahren erkennen lassen[2]. Der Baum stand vor dem Wohnhaus der Familie Martin (letzte Eigentümer: Giese)[3] und ist auch auf historischen Fotos als schön gewachsenes, eindrucksvoll großes Exemplar abgebildet. Er überragte das Dach des zweigeschossigen Gebäudes um mehr als das Doppelte, seine Höhe lässt sich schon damals auf weit über 20 Meter schätzen. Leider sind die auf der Internetseite www.oelsengrund.de veröffentlichten Fotos nicht datiert.

Bereits 1938 aber wurde die Sommerlinde offiziell unter Schutz gestellt[4] und zählt damit zu den ältesten noch erhaltenen Naturdenkmalen des Ost-Erzgebirges.

Heute steht die Linde als mächtiger Solitär auf einer brachliegenden, von mannshohen Brennnesseln überwucherten Waldwiese etwas abseits des Lappenbuschwegs. Der Stamm weist eine 2 m hohe und bis 30 cm breite Höhle am Fuß auf, die sich im Stamm noch weit nach oben fortsetzt (und damit ein potentiell wertvolles Fledermaushabitat bieten kann). Im Kronenraum haben sich einige wenige Misteln festgesetzt, ansonsten aber erscheint das Naturdenkmal nach wie vor vital.

Neben der ND-Linde steht am Rande der Lichtung eine ebenfalls habitatreiche Rosskastanie.

[1] https://sites.google.com/view/oelsengrund/bilder-früher
[2] https://geoportal.gov.cz/web/guest/map, "Ortofotomapa (50. leta)"
[3] Bernd Rehn, mündl.
[4] VO des Kreishauptmanns Dresden-Bautzen vom 14.11.1938 (Angabe aus: StUFA, 2004, Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge)

Informationen

Ort

Bad Gottleuba–Berggießhübel, Stadt
Oelsen

Schutz

ND

Patenbaum

ja

Standort

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