Einzelbäume

Wacholder auf der Teufelskanzel

ART: Gewöhnlicher Wacholder (Juniperus communis)

Hoch oberhalb des als "Wittigschloss" bezeichneten Felsengebiets, mit weitem Blick auf die Rückenhainer Steinrückenlandschaft auf der anderen Talseite, ist die "Teufelskanzel" ein besonders lohnenswertes Wanderziel im mittleren Müglitztalgebiet. 1932 wurde der Aussichtspunkt mitsamt Rastbank feierlich durch den Erzgebirgsverein Glashütte und 200 Einwohner eingeweiht.[1] Möglicherweise gehörte dazu auch die Pflanzung eines markant säulenförmigen Wacholders. Dieses Exemplar wäre dann also knapp einhundert Jahre alt.

Doch Wacholder gehörte früher auch wesentlich häufiger zur heimischen Vegetation als das die rund vierzig im Müglitztal noch vorkommenden Rest-Exemplare vermuten lassen.[2] In den 1920er Jahren bedauerte der Dresdner Botaniker Arno Naumann, dass das "Wacholdergestrüpp" auf der Kalkhöhe (ca.1,5 km westlich der Teufelskanzel) nicht mehr so schön sei wie die Wacholdervorkommen am Schlottwitzer Müglitzhang (wo heute auch nur noch kümmerliche Reste wachsen): "Diese Wacholder sollen vor Zeiten denen des Lederberges an Höhe und Wuchsschönheit geglichen haben, sind aber in dem Cholerajahre 1866 abgeholzt worden, um auf den Straßen Glashüttes desinfizierende Feuer unterhalten zu können."[3] An der Kalkhöhe gibt es heute keine Wacholder mehr, die nächsten bekannten Vorkommen klammern sich müglitztalabwärts an die steilen Felsflanken des Hoppegrundes. Hauptursache für das Verschwinden des Wacholders dürfte allerdings weniger die Cholera sein, sondern dass die einstmals durch Mittelwaldnutzung und Ziegenweide lichten Wälder inzwischen zu schattig geworden sind für die lichtbedürftige Gehölzart.

2014 wurde der markante Wacholder als Relikt seiner Art im Ost-Erzgebirge als Naturdenkmal unter Schutz gestellt und zehn Jahre später mit einem entsprechenden ND-Schild markiert. Im Unterschied zu anderen Artgenossen hat der ca. 4 m hohe Strauch die Dürrejahre ab 2018 zumindest optisch unbeschadet überstanden. Zunehmend kritisch wird hingegen die Konkurrenz durch die Eichen auf der Waldseite, unter deren überhängenden Ästen die nordwestlichen Wacholderzweige immer mehr verkahlen.

 
[1] http://www.heimatverein-cunnersdorf.de/wandern/kanzel_pilz_bastei/kanzel_verschneit_.html
[2] https://osterzgebirge.org/de/natur-schuetzen/naturschutzprojekte/gehoelzprojekte/wacholder/
[3] Naumann, A. (1923): Das obere Hügelland (Glashütte - Trebnitzgrund - Kalkhöhe). in: Wanderbuch für das Östliche Erzgebirge

Informationen

Ort

Glashütte, Stadt
Glashütte

Schutz

ND

Patenbaum

ja

Basisdaten vom 06.06.2024

Umfang

m

Durchmesser

m

Höhe

4 m

Alter

Jahre

Zugang

frei

Jahresbewertung

Bericht 28.04.2025 - Stephan Kahle

auf der Nordseite Benadelung etwas schütter (Verschattungsbereich durch Eichen)

Dringender Handlungsbedarf: Gelb

Bericht 23.09.2025 - Stephan Kahle

junger Wacholder ca. 4 m in westlicher Richtung entfernt, gesundes Erscheinungsbild

Dringender Handlungsbedarf: Gelb

Standort

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Naturdenkmal: Naturdenkmal hat Pate:
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