Wer auf dem "Erbgerichtsweg" von Zethau in Richtung Großhartmannsdorf oder Helbigsdorf unterwegs ist, dem fällt der bis zum Boden belaubte und von Sträuchern eingewachsene Baum etwa 100 m westlich des Wegs in der ansonsten recht ausgeräumten Agrarflur gar nicht weiter auf. Das muss in früheren Zeiten anders gewesen sein: bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese Linde als besonderer Baum in offiziellen Landkarten eingezeichnet [1], und auch auf einer historischen Zethau-Postkarte [2] kann man sie am Horizont neben der gehölzbestandenen Kuppe des Steinbergs (wahrscheinlich) erkennen.
Einstmals bildete die Verebnung den Quellbereich eines in Richtung Nordnordost abfließenden Bächleins, und an der Stelle, wo heute der Erbgerichtsweg in den Herrenweg einmündet, befand sich damals ein kleiner Teich. Inzwischen ist das gesamte Plateau längst melioriert. Im Vergleich des Meilenblatts mit dem heutigen Luftbild [3] zeigt sich, dass der Weg damals geradlinig verlief und damit direkt an der Linde vorbeiführte. Heute markiert der Baum nur noch die Grenze zweier Flurstücke.
Auch wenn es offenbar kaum "überlieferte Daten, die geschichtliche oder kulturelle Besonderheiten" [4] zu diesem Baumdenkmal liefern, gibt, dürften die geschätzten (mindestens) 250 Jahre Lebensalter durchaus zutreffen.
2005 erfolgte die (vermutlich erneute) Unterschutzstellung der Sommer-Linde bei Zethau, und zwar mit folgenden expliziten Begründungen: "1. wegen seiner Eigenart: die Linde zählt zu den stärksten Linden im Landkreis Freiberg; ihr Stamm weist einen großen Kronenbruch auf, der ihr eine eigenwillig unregelmäßige Gestalt gibt; 2. wegen seiner Schönheit: von seinem exponierten Standort aus prägt der Baum nachhaltig die weitere Umgebung." [5]
Reichlich zwanzig Jahre später erschließt sich die Mächtigkeit des Baumes erst so richtig, wenn man nahe herantritt. Der inzwischen auf weit über sechs Meter Umfang angewachsene Stamm ist komplett hohl, trägt aber eine durchaus vitale Krone. Nach einem lange Zeit zurückliegenden Bruch hat es innerhalb der einseitigen Krone ein neuer Hauptstamm wieder auf 20 Metern Höhe gebracht. Und der Zuwachs scheint sich fortzusetzen, wie üppige Triebbildung zeigt.
Vermutlich erfreut sich die Linde durch ihre Lage in der einstigen Quellmulde einer vergleichsweise günstigen Wasserversorgung. Und kräftig "gedüngt" wird sie außerdem: unter dem Kronentraufbereich lagern alte Garten- und Grünschnittabfälle. Diese Eutrophierung lässt Brennnesseln und Schwarzen Holunder heftig wuchern. Erneuerungsbedürftig sind das ND- und Infoschild, heute weitgehend eingewachsen und schief stehend.
Quellen:
[1] Meßtischblatt 117 : Sayda- aufgen. 1910, hrsg. 1913, einz. Nachtr. 1922
[2] http://www.wagner-ahnen.de/Unser-Ahnherr/unser-ahnherr.html
[3] https://geoviewer.sachsen.de/mapviewer/resources/apps/hika/index.html?lang=de
[4] Richter, Sandy (2008): Verwurzelt im Landkreis Freiberg, S.40
[5] Verordnung des Landkreises Freiberg zur Festsetzung von Naturdenkmalen, 8.12.2005
Informationen
Ort
Mulda / Sa.
Zethau
Schutz
ND
Patenbaum
ja
Basisdaten vom 07.08.2024
Umfang
6.20 m
Durchmesser
1.97 m
Höhe
20 m
Alter
270 Jahre
Zugang
frei